Viele Fachbegriffe und bauphysikalische Abläufe gehören nicht zum Allgemeinwissen und werden nachfolgend erläutert. Neben den vereinfachten Erklärungen wird hier oft auf das Zusammenspiel mit Mängeln hingewiesen.

Wir weisen darauf hin, dass es sich bei den nachfolgenden Erläuterungen um keine absoluten und vollständigen Definitionen handelt, sondern um zum Teil stark vereinfachte Darstellungen, um dem fachlichen Laien mit einfachen Worten zum Teil komplizierte Begriffe und Abläufe im Grundsatz verstehen zu helfen.

Für ausführlichere Beschreibungen verweisen wir in diesem Zusammenhang auf die Fachliteratur.

 

Arten der Schimmelpilze: Die Wissenschaft geht von geschätzten einer Million unterschiedlicher Schimmelpilzarten aus. Etwa 100 000 davon gelten als erforscht.

"Den Schimmelpilz" gibt es somit nicht.

 

Datenlogger: Ein Gerät zur Aufzeichnung von erhobenen Messergebnissen. Im Falle von Schimmelbefall häufig zur langfristigen Messung von Raumluftfeuchtigkeit und Temperatur.

(Siehe auch "Klimagriff")

 

Diffusion: Diffusion ist ein natürlicher, physikalischer Prozess mit vielen Erscheinungsformen. Im Zusammenhang mit Feuchtigkeitsproblemen handelt es sich gewöhnlich um das Durchwandern von Wassermolekülen durch z.B. eine Wand, bzw. das Eindringen von Wasserdampfmolekülen in die ersten Schichten der Wandoberfläche. Dieser natürliche Prozess bewirkt, dass überschüssiges Wasser aus der Raumluft die Aussenwände eines Gebäudes "durchwandern" kann und dann an der Fassadenoberfläche abgelüftet wird. Ebenso bewirkt es ein zwischenspeichern überschüssiger Feuchtigkeit in der Wand, bis sie durch lüften an die Aussenluft abgeführt wird. Die Verminderung der Diffusionsfähigkeit einer Wandoberfläche begünstigt die Bildung von Schimmel in Innenräumen.

 

Diffusionsoffenheit: Wenn von Diffusionsoffenheit in Verbindung mit Baustoffen oder Buteilen die Rede ist, verfügt der Baustoff oder das Bauteil über die Fähigkeit, Wasserdampf-durchlässig zu sein. Diese Eigenschaft wird auch genutzt, um überschüssigen Wasserdampf aus der Raumluft zwischenzuspeichern. Im Gegenteil dazu sind diffusionsdichte Baustoffe oder Bauteiloberflächen nicht in der Lage Wasserdampf einzulagern. Exemplarisch und relevant bei der Begünstigung bei der Bildung von Schimmelpilzen seien hier "Latex"-Farbe und andere dichtschließende Anstriche erwähnt.

 

Ixel: Als Ixel bezeichnet man in der Architektur den inneren Eckanschluss zwischen Wänden oder zwischen Wänden und Decke, bzw. zwischen Wänden und Boden. Hier kommt es vermehrt zur Bildung von Schimmel, da die geringere Oberflächentemperatur zur vermehrten Ablagerung von Kondenswasser führt. (Siehe auch: "Wärmebrücke"). 

 

Klimagriff: Dieses nützliche Zubehör ist eine besondere Form eines Datenloggers. Der Klimagriff wird unmittelbar unter den Fenstergriff eines Standardfensters neuerer Bauart montiert. Nach Kalibrierung durch geschultes Personal, zeichnet der Klimagriff alle relevanten Daten zum Lüftungsverhalten des Nutzers auf und speichert diese auf einem integrierten Speicherchip. Akribisch werden Lüftungsart (Kipplüftung oder komplette 90-Grad-Öffnung des  Fensters), sowie die Lüftungsdauer, Lüftungszeitpunkt und viele andere Messwerte gespeichert.

Hier besteht für den Mieter die Möglichkeit, dem Vermieter zu beweisen, dass er sich überwiegend an die empfohlenen Lüftungsintervalle hält und die Schimmelbildung nicht mit seinem Lüftungsverhalten im Zusammenhang steht.

Gleichzeitig bietet der Klimagriff auch die Möglichkeit, permanentes Lüftungsfehlverhalten aufzudecken. 

 

Kondensat: Als Kondensat bezeichnet man Stoffe, die bei Abkühlung vom gasförmigen in den flüssigen Zustand übergehen und sich an der Oberfläche kälterer Bauteile ablagern. Das bekannteste Beispiel dafür ist Wasserdampfkondensat.

Warme wasserdampfgesättigte Raumluf trifft auf z.B. eine kalte Aussenwand oder Fensterlaibung und kondensiert (verflüssigt sich) dort. Im Ergebnis kommt es oft zu dauerfeuchten Wandbereichen, die ein idealer Nährboden für Schimmelpilze sind.

Dieses Phänomen tritt auch regelmäßig nach dem duschen oder während des kochens bei geschlossenem Fenster auf. Hier "beschlagen" die Fliesen und die Fensterscheiben gut sichtbar in Folge der Feuchtigkeitsablagerungen.

 

Laibung: Mit Laibung ist zumeist die innere senkrechte Schnittfläche des Mauerwerks bei Fenstern und Türen gemeint. Somit die rechte und die linke Schmalfläche des Mauerwerks. Der obere waagerecht verlaufende Teil wird als Sturz bezeichnet. Hier kommt es durch Wasserdampfablagerungen vermehrt zu Schimmelbildung.

 

Schimmelbildung: Schimmel bildet sich in Innenräumen, wenn drei Faktoren zusammentreffen:

  • Es muss ein Substrat vorhanden sein,
  • eine ausreichende Temperatur und
  • Feuchtigkeit.

 

Die Schimmelsporen werden z.B. mit der Garderobe oder über das geöffnete Fenster ungewollt eingetragen und stellen in geringer Raumluftkonzentration auch kein nennenswerten gesundheitliches Risiko dar.

 

Schwarzschimmel: Bei dem im Volksmund unter dem Namen "Schwarzschimmel" bezeichneten Schimmelpilz handelt es sich üblicherweise um den "aspergillus niger" der ein hohes Allergiepotenzial besitzt. Von Laien werden aber oft alle Schimmelpilze, die schwarze oder graue Erscheinungsformen aufweisen als Schwarzschimmel  bezeichnet.

 

Sturz: Ein Sturz ist ein tragendes Element, welches den oberen Bereich einer Fenster- oder Türöffnung überspannt. Die obere innere Wandfläche, die die beiden Laibungen verbindet, wird ebenso als Sturz bezeichnet. Hier kommt es ähnlich wie in den Laibungsbereichen zu vermehrten Wasserdampfablagerungen und somit häufig zur Bildung von Schimmelpilzkulturen.

 

Substrat: Substrat ist (neben vielen anderen Bedeutungen) bei der Betrachtung der Bildung von Schimmelpilzen ein anderes Wort für Nährboden. 

Die meisten der erforschten Schimmelpilzarten verstoffwechseln organische Substanzen. Das heisst, dass dies ihre Lebens- und Vermehrungsgrundlage ist. Beliebt in Innenräumen sind hier Tapeten (Zellulose), der klassische zellulosehaltige Tapetenkleister und zellulosehaltige Anstriche. Bemerkenswert ist, dass fast alle handelsüblichen Wandfarben für Innenräume einen sehr hohen Zelluloseanteil als Bindemittel beinhalten. Dies gilt auch für viele der sogenannten mineralischen Farben.

 

Taupunkt: Der Taupunkt ist vereinfacht ausgedrückt der Punkt, auf den die Luft heruntergekühlt werden muss, um die in der Luft gebundene Feuchtigkeit abzugeben. Beim Erreichen des Taupunktes gibt die Feuchtigkeit ihren gasförmigen Zustand auf und wird zu flüssigem Wasser. Hier spricht man von Kondensat.

 

Wärmebrücke: Unter Wärmebrücke (oder auch Kältebrücke) versteht man die Bauteilbereiche, an denen die Wärme schneller an die Gebäudeaussenseite abgeführt wird. Hier lagert sich bauphysikalisch bedingt, mehr Wasserdampf ab als an den angrenzenden Bauteilen und begünstigt Schimmelbildung. 

Beispiel: Unzureichend gedämmte Fensterlaibungen nach einer Fassadendämmung und/oder mangelhaft gedämmte Fenster-Wandanschlüsse.

Häufig auch Wand-Decken-Ixel und Wand-Wand-Ixel. Ein Klassiker ist die deutlich schwächer dimensionierte Außenwand im Bereich des ehemaligen oder noch vorhandenen Fensterunterschrankes der Küche im Altbau.

 

 

 

 

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